Die Letzten werden die Ersten sein: Theon Greyjoy (Game of Thrones)

13:40

Seltsamerweise habe ich oft eine Vorliebe für Charaktere, die eher unbeliebt sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich Schwächen menschlich finde. Vielleicht daran, dass ich es zu einfach finde, die offensichtlich guten Charaktere zu mögen. In der neuen Reihe Die Letzten werden die Ersten sein werfe ich einen Blick auf scheinbar unliebsame Charaktere aus Serien und Büchern und versuche zu beweisen, dass sie besser sind, als ihr Ruf. Heute: Theon Greyjoy aus Game of Thrones.

Den Fokus lege ich bei dem folgenden Blogpost auf die GoT-Bücher und es taucht der ein oder andere Spoiler auf (hauptsächlich in Bezug auf Theon selbst).

Wer ist Theon Greyjoy? Theon ist Eddard Starks Mündel. Er wurde nach der fehlgeschlagenen Revolution seines Vaters als Geisel zu den Starks geschickt. Er wuchs mit den Stark-Kindern auf und wurde ein enger Freund von Robb Stark, Eddards ältestem Sohn. Von Anfang an ist klar, dass er nicht so richtig dazu gehört. Als einziger der 'Kinder' erhält er am Anfang des ersten Buchs keinen Schattenwolf, wodurch er klar von den Stark-Kindern und Jon Snow abgegrenzt wird (ein erstes Zeichen dafür, dass er nie wirklich zur Familie gehörte).

Stets ein Lächeln im Gesicht

Theon wird als gutaussehend und  immer mit einem Lächeln im Gesicht beschrieben. Für mich war dies ein erstes Warnsignal, dass da etwas im Argen liegt. Niemand lächelt andauernd, es sei denn, es ist eine Art Bewältigungsmechanismus. Theon Greyjoy wächst zwar scheinbar idyllisch auf, aber hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. Als Mündel lebt man in ständiger Gefahr. Sollte sein Vater erneut rebellieren, wäre das für Theon das unausweichliche Todesurteil.

Viele Leser vergessen gerne, dass Theon stets eine Geisel war, wenn es um seinen Verrat an Robb geht. Außerdem bedenken die wenigsten, dass Theon tatsächlich mit guten Absichten zu seinem Vater auszog. Er wollte Balon und Robb zu Alliierten machen. Doch sein Vater hatte andere Pläne. Theon hätte sich zwar in diesem Moment gegen seine leibliche Familie stellen können, wäre dann aber wahrscheinlich in Pyke in einer Zelle gelandet.

Harte Konsequenzen

Dass Theon sich auf die Seite seiner Familie stellt ist nicht weiter verwunderlich. Ähnlich wie Robb, hat er das Bedürfnis sich zu beweisen. Außerdem will er die Loyalität seines Vaters zurückgewinnen, der ihm gegenüber eine Abneigung hegt, weil er sich den Starks zu sehr angepasst hat (vollkommen ungerechtfertigt, war es doch Balon, der an Theon Geiselstatus Schuld war).

Ich persönlich sehe Theons Entscheidung nicht als Verrat an sondern empfinde sie als nachvollziehbar. Aber selbst wenn man es als Verrat bezeichnen möchte, so sollte man bedenken, dass Theon einen hohen Preis für seinen Hochmut zahlt. Als er Ramsay Bolton in die Hände fällt, beginnt für ihn eine Tortur.

Raub der Persönlichkeit

Unter Ramsay verliert Theon seine Persönlichkeit (und mehrere Körperteile). Theons Schutzmechanismus, sein Lächeln, wird ihm genommen, als Ramsay ihm die Zähne ausschlägt. Theon war als talentierter Bogenschütze bekannt. Ramsay nimmt ihm die dafür notwendigen Finger. Die angebliche Kastration wird im Buch nur angedeutet, geht man aber davon aus, dass sie stattfand, so passt dies ebenfalls ins Bild. Theon war immerhin ein echter Ladies' Man.

Unter Ramsay wird Theon zu Reek. Körperlich und seelisch ist er nun kaum mehr als ein Wrack. Und doch ist sein wahres Ich nicht ganz verschwunden. Theon sagt an einer Stelle, er wünschte er wäre an Robbs Seite gestorben. Er gesteht sich also seine Fehler ein. Mehr noch, er bekommt die Chance zur Wiedergutmachung. Er riskiert sein Leben um Jeyne Pool zu retten und beweist damit Mut und ein Gefühl dafür, was falsch und richtig ist.

Vielschichtiger Charakter und interessante Entwicklung

In vielerlei Hinsicht ist Theon einer der menschlichsten Charaktere. Er ist naiv, hochmütig und arrogant. Er macht Fehler und muss dafür bezahlen. Aber letztendlich schafft er es, nicht nur dafür zu büßen sondern auch als besserer Mensch aus der Misere hervorzugehen. Seine Entwicklung ist sehr interessant und bietet viel Stoff für Interpretationen und Diskussionen. Deshalb zählt Theon Greyjoy zu meinen absoluten Lieblingscharakteren in Game of Thrones.

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6 Kommentare

  1. Ich mag den nicht so im Buch :) Sehr schöner Beitrag allerdings, gut geschrieben!

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  2. Game of Thrones kenne ich gar nicht. Jetzt hast du mich neugierig gemacht.

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  3. So viel Liebe für GoT! Ich habe alle Staffeln gesehen und versuche seit diesem Sommer die Bücher zu lesen. Allerdings habe ich noch nicht einmal das erste Buch geschafft. Ich komme irgendwie nicht so rein.

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  4. Ich mag Theon auch! Leider ist der Darsteller total unsympathisch in echt, ich habe den neulich getroffen und das hätte ich mir auch sparen können. Naja, da kann der arme Theon ja nix für :D. Hodor ist dafür ein ganz lieber!

    themuffintop-less.blogspot.de

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  5. Ein sehr schöner Post, total interessant und definitiv mal etwas Anderes. :) Also ich habe die Bücher bisher noch nicht gelesen, kenne aber die Serie. Da in Serien und Filmen die Charaktere natürlich nie so gut und detailliert ausgearbeitet werden können wie in Büchern, kann ich mir schon vorstellen, dass man in den Büchern einen anderen Eindruck von Theon bekommt. In der Serie ist es mir zwar nicht sonderlich sympathisch - ich würde aber auch nicht sagen, dass ich ihn hasse oder so etwas in der Art. Er trifft eine fragwürdige Entscheidung, die sein ganzes Leben zum Negativen hin verändert. Ich finde seine Figur daher eher tragisch, aber dennoch interessant. :)

    LG, Sabrina
    Happiness-Is-The-Only-Rule

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  6. Eine sehr interessante Reihe, ich bin gespannt welche Charaktere du dir sonst noch so vornimmst. Ich muss gestehen, das ich Theon (kenne aber nur die Filme) am Anfang nicht wirklich mochte, aber seit seiner Tortur die er bei Ramsay durchlaufen hat, kann man ihn einfach nicht mehr hassen. Wie du schon sagtest, zahlt er einen sehr hohen Preis für das was er tut und die Szenen haben einem echt weh getan. In der Serie geht man ja auch auf alles immer sehr brutal ein, somit bleibt man da schon geschockt zurück. Ich kenne ja die Bücher noch nicht und hoffe immer, dass er Ramsay irgendwann entkommen kann und sich selbst wieder etwas mehr findet.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.

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