Gelesen: Die Knochenuhren

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Von David Mitchell habe ich erstmals im Zusammenhang mit dem Film Cloud Atlas - der Wolkenatlas gehört, eine Verfilmung seines gleichnamigen Romans. Ich glaube der überlange, bildgewaltige Film hat vielfach polarisiert, mir hat er aber gut gefallen und ich habe mich gefragt welch kreativer Kopf hinter einer derart vielschichtigen Geschichte stecken könnte. So wurde ich auf Mitchell aufmerksam und war demnach auch sehr an seinem neuen Roman - Die Knochenuhren - interessiert.

Die Knochenuhren zu beschreiben ohne zu viel zu verraten empfinde ich als sehr schwierige Aufgabe, aber ich werde mich natürlich trotzdem daran versuchen. Das Buch folgt dem Leben von Holly Sykes, einem Mädchen/einer Frau, die scheinbar ab und zu unter Halluzinationen leidet bzw. Stimmen hört. Doch im Laufe des Buches wird immer deutlicher, dass Holly keineswegs krank ist und dass Mächte im Spiel sind, die das übersteigen, was normale Menschen wahrnehmen und verstehen können. Holly kann nicht nur mit übersinnlichen Wesen kommunizieren, sie kann diesen auch Schutz bieten. Doch zu welchem Preis?



Hollys Leben beobachten wir in verschiedenen Etappen - der Roman springt mehrmals mehrere Jahre. So befasst sich der erste Teil mit Hollys Teenagerzeit (samt gebrochenem Herzen), der nächste zeigt sie als junge Frau, die in einem Skigebiet kellnert, usw. Auch die Perspektiven wechseln und so manches Mal fragt man sich, wie der aktuelle Erzähler Hollys Weg kreuzen wird. Wenn es dann passiert, hat man einen dieser "Ah! Verstehe!" - Momente, der dieses Buch besonders auszeichnet. Alles ist irgendwie miteinander verwoben, aber man muss erst herausfinden wie. Dieses Motiv war übrigens auch in Cloud Atlas präsent.

David Mittchell ist ein Wort-Magier, er zaubert dreidimensionale Charaktere deren Persönlichkeit sich in ihren Gedanken widerspiegelt. Jede Figur hat eine eigene Erzählstimme, die sie auszeichnet. Ein zynischer Autor, ein desillusonierter Kriegsreporter, eine naive Teenagerin - all diese Figuren lässt Mitchell real und vielschichtig erscheinen. Ganz große Erzählkunst. Mit über 800 Seiten ist die Knochenuhren allerdings ein mächtiger Wälzer und ich habe meine Zeit gebraucht um mich durch das Buch zu kämpfen. Wer Erzählungen mit klarem roten Faden und schnellem Erzähltempo präferiert, wird mit Die Knochenuhren nicht glücklich werden. Wer hingegen unkonventionelle Erzählungen mag und dicke Wälzer nicht scheut, sollte einen Blick in das Buch werfen.

Mich hat die Knochenuhren verzaubert, denn die kreative Art und Weise auf die Mitchell die Geschichte erzählt und die Personen zum Leben erweckt konnte mich überzeugen. Das seitenstarke Buch zu bezwingen hat mich ein Zeit und Kraft gekostet, aber es hat sich gelohnt. Die Knochenuhren ist im Rowohlt Verlag erschienen.


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3 Kommentare

  1. Das Buch hört sich sehr spannend an. Aktuell lese ich allerdings lieber kürzere Bücher und nicht solche Wälzer. Einfach, weil ich nicht ganz so viel Zeit habe und immer schnell das Ende wissen muss :)

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  2. Ich behaupte ja, dass viele Cloud Atlas nur nicht verstanden haben! Ich fand den Film große Klasse. Ich liebe es, wenn Geschichten so verknüpft werden (und ich habe beim Abspann nicht schlecht gestaunt... was die Schauspieler da alles an Rollen verkörpert haben! Nicht jeden habe ich da gleich erkannt!). Das Buch habe ich dann erst danach gelesen und fand es total beeindruckend, wie stark er seinen Schreibstil je nach Abschnitt im Buch verändert hat.
    Muss mal wieder was von ihm lesen!

    http://www.blog.christinepolz.com

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  3. Ich hab es angefangen und dann nicht mehr weitergelesen - muss ich mal machen!

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