Gelesen: Lucky Boy

In Shanti Sekarams Roman Lucky Boy geht es um Mutterschaft. Um die Gefühle zwischen Müttern und ihren Söhnen und darum, wie ein Kind das Leben verändern kann. Aber es geht auch um illegale Immigranten, um Wohlstandsprobleme und, im Kontrast dazu, auch um Armut und Not.



Soli - kurz für Solimar Castro Valdez - hat keine Zukunft in dem mexikanischen Ort in dem sie aufgewachsen ist - kein Geld, keinen Job, keine Perspektive. In Amerika will die achtzehnjährige ein neues Leben beginnen - hart arbeiten, Geld verdienen, ihre Eltern finanziell unterstützen. Doch bereits die Reise nach Amerika wird zur Zerreissprobe. Die wenigsten derer, die ihr bei ihrer Flucht nach Amerika helfen wollen, tun dies aus uneigennützigen Gründen. Doch dann gibt es noch Checo, den Jungen, der sich ihrer annimmt und in den sie sich verliebt. Doch schaffen sie es nicht zu zweit nach Amerika und alles was Soli von Checo bleibt ist ein Bauch, der immer weiter wächst...

Kavya Reddy ist Amerikanerin mit indischen Wurzeln. Eigentlich könnte die zufrieden sein - sie hat einen liebevollen Mann und einen anständigen Job. Doch etwas fehlt ihr in ihrem Leben. Kavya will ein Kind. Doch sie und ihr Mann Rishii haben kein Glück, Kavya wird einfach nicht schwanger und auch die teure Hormonbehandlung hilft nicht weiter. Einziger Ausweg: ein Pflegekind aufnehmen und dieses vielleicht perspektivisch adoptieren dürfen. Doch ist es eine gute Idee sein Herz an ein Kind zu verschenken, dass einem wieder weggenommen werden kann?

Im Zentum der Geschichte steht Ingacio, ein wahrer Lucky Boy dem gleich zwei Frauen ihr Herz schenken. Doch zu wem gehört das Kind - seiner leiblichen Mutter, die ihn nur mit Mühe und Not ernähren können wird und illegal im Land ist? Oder zu seiner Pflegemutter, die ihm zwar ein Heim bieten kann aber nicht blutsverwandt mit ihm ist? In Lucky Boy gibt es kein richtig oder falsch. Als Leser hat man sowohl für Soli als auch für Kavya Verständnis und will keine von beiden unglücklich wissen.

Sekaran zeichnet dreidimensionale Charaktere mit Stärken und Schwächen, Menschen wie es sie überall auf der Welt gibt. Als besonders berührend empfand ich die Schilderungen um Solis Einreise nach Amerika - mir war ehrlich nicht bewusst mit wievielen Gefahren so eine Unternehmung verbunden sein kann.
Lucky Boy ist ein berührendes Buch, das jedoch nie zum Kitsch abrutscht. Es fühlt sich authentisch an. Sekarans Geschichte über zwei Frauen, deren Schicksale durch ein Kind verbunden sind, kann ich uneingeschränkt empfehlen. Ein wunderbares Buch, sehr gut geschrieben und mit einprägsamen Charakteren.

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